Grundlagen
Text von Norbert Niechoj Zwinger vom Gut Oberlehn

Hunde haben 78 Chromosomen (Menschen 46). In jeder Zelle des Körpers befindet sich ein solcher vollständiger Chromosomensatz. Auf diesen Chromosomen wiederum liegen die Erbanlagen in Form von Genen, das heißt also: Ob der Hund langes oder kurzes Haar hat, eine schwarze oder braune Nase, männlich oder weiblich ist. Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Hier ist auch festgelegt, wie sich Hunde verhalten, wie sie ihre Partner finden usw. Hinzu kommt, dass nicht alle Gene gleichzeitig aktiv sein dürfen. Wenn sich der Hund im Wachstum befindet, müssen andere Gene arbeiten als bei erwachsenen Hunden. Wenn z.B. Wachstumshormone ununterbrochen gebildet würden, würde das Wachstum ja nie aufhören.

Nun passiert es immer wieder, dass das eine oder andere Gen sich verändert (Mutation). Ursache dafür können Umweltbedingungen sein, z.B. UV-Strahlung, oder einfach der Zufall. Sind solche Mutationen vorteilhaft für das Individuum, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich in Zukunft durchsetzen wird und seine Gene in die nächste Generation übertragen kann. Darwin hat hier von Selektionsvorteilen gesprochen. Anders herum ist es natürlich bei ungünstigen Mutationen.

Solche ungünstigen Mutationen sind aber nicht unbedingt bemerkbar, manchmal wirken sie sich gar nicht aus, denn hier hat die Natur vorgesorgt. Jedes Chromosom ist zweimal (diploid) vorhanden. Es gibt also quasi eine „Sicherheitskopie“ in jeder Zelle. Von den 78 Hunde-Chromosomen sind allerdings nur 38 doppelt, das 39. Chromosom, das X-Chromosom, ist nur bei den weiblichen Individuen doppelt, die männlichen haben nur eines, statt dessen ein zusätzliches Y-Chromosom, das wiederum den weiblichen fehlt. Durch diese Kombinationen, also XY oder XX ergeben sich die Geschlechter.

Die „Sicherheitskopie“ hat aber noch andere Konsequenzen, denn beide Chromosomen sind wichtig. Ein Gen kann nämlich in unterschiedlichen Formen vorliegen, den Allelen. Obwohl immer nur zwei Allele in den beiden Chromosomen vorhanden sind, gibt es im gesamten Genbestand (Genom) einer Art mehrere Allele. Das kann die Sache unübersichtlich machen. Sind beide Allele identisch, spricht man von homozygot, sind sie unterschiedlich, nennt man es heterozygot.

Einfach ist es, wenn ein Allel überlegen (dominant) ist, dann wirkt es sich stets auf das Erscheinungsbild (Phänotyp) aus. Noch klarer ist es wenn beide Gene dominant (kodominant) sind, dann weiß man, dass die Nachkommen in Bezug auf dieses Gen denselben Phänotyp haben. Sie entsprechen also ihren Eltern, denn sie können ja auch nur dieses Allel vererben.

Schwieriger wird’s bei heterozygoten Allelen, von denen eines dominant ist und das andere unterdrückt (rezessiv) wird. Wenn das rezessive Allel z.B. eine Erbkrankheit verursachen würde, bleibt ja noch das dominante Allel, dass meist seine Aufgabe erfüllt. Dennoch gibt’s einen Nachteil. Zwar kann das Individuum kerngesund sein, es kann aber das kranke an seine Nachkommen weitergeben. Warum ist das so?

Bei der Paarung verschmelzen Eizelle und Spermazelle. Wäre in beiden Zellen der vollständige Chromosomensatz, wäre in der nun entstandenen Zelle (Zygote) beim Hund 156 Chromosomen, was ohne Zweifel unvorteilhaft wäre. Also wird der Chromosomensatz vor der Verschmelzung so reduziert, dass nur noch ein Chromosom von jeder Sorte in die Geschlechtszellen gerät, welches, bleibt dem Zufall überlassen. Jetzt sind also beim Hund jeweils 39 Chromosomen in Ei- und Spermazelle, nach der Verschmelzung dann wieder 78, die Zelle teilt sich und die Entwicklung des kleinen Welpen kann starten.

Der Zufall aber kann es wollen, dass in die Zygote von beiden Eltern ein krankmachendes Allel hinein gerät. Nun fehlt dem heranwachsenden Welpen ein gesundes. Folge: die Krankheit bricht aus. Mit welcher Wahrscheinlichkeit eine solch unglückliche Kombination entsteht, lässt sich berechnen, wenn man die Genkonstellation (Genotyp) der Eltern kennt. Genotypen werden üblicherweise mit Buchstaben bezeichnet, wobei für dominante Merkmale große, für rezessive kleine Buchstaben gewählt werden.

Gerät allerdings nur ein rezessives Krankheitsallel in die Zygote, wird es unterdrückt. Der Hund ist gesund, kann es aber wieder seinen Nachkommen übertragen. Oftmals bleiben auf diese Weise Erbkrankheiten über Generationen hinweg unentdeckt. Sollte eine solche jedoch einmal auftauchen, kann man mit Sicherheit sagen, dass beide Eltern das krankmachende Allel besitzen.

Nun muss man nicht denken, dass das hier Beschrieben nur für Krankheiten gilt. Genauso verhält es sich für gewünschte Eigenschaften, z.B . wenn es um Haarfarbe, Muster, Körperform geht. Hier kommt allerdings erschwerend hinzu, dass viele solcher Merkmale nicht nur von einem Gen sondern von mehreren beeinflusst werden (Polygenie), die sogar auf unterschiedlichen Chromosomen liegen können, sich gegenseitig ergänzen aber auch hemmen können. Dazu gehören z.B. die Fellfarben.